Projektinformationen: Gehörlosenarbeit in Bolivien
Warum ist die hörende Paola nach Bolivien ausgewandert ?
Ich stelle mir vor
Mein Name ist Paola Innocente. Ich bin hörend und 41 Jahre jung. Ich freue mich, euch etwas aus meinem Leben zu erzählen, und warum ich seit drei Jahren in Bolivien mit und für Gehörlose arbeite.
Schon immer haben mich andere Sprache und Kulturen fasziniert und interessiert. Ein Grund dafür ist sicher, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin; mein Vater ist Italiener, meine Mutter Schweizerin. Als Sozialpädagoign und Biblisch- Therapeutische Seelsorgerin habe ich während elf Jahren mit Kindern sowie Erwachsenen mit einer psychischen Behinderung gearbeitet.

Paola Innocente
Während einem 2monatigen Aufenthalt in Mexico verliebte ich mich so richtig in die spanische Sprahce. Doch erste zehn Jahre später konnte ich endlich meinen Traum verwirklichen und Spanisch lernen. In dieser Zeit der Neuorientierung ging ich nach London, um mein Englisch aufzubessern. Dabei kam ich in Kontakt mit einer Gehörlosenarbeit innerhalb einer hörenden Gemeinde. Einmal mehr in meinem Leben kam ich in Berührung mit gehörlosen Menschen und deren Sprache, die mich neu faszinierte. Für mich war es, wie wenn laufend Bilder in die Luft gezeichnet würden, und manches Wort gewann dadurch eine erweiterte Bedeutung.
Diese Begegnung liess mich nicht mehr los. Als ich im Jahre 1997 wieder zurück in der Schweiz war, sagte ich zu Gott: «Jetzt will ich es wissen!». So meldete ich mich für einen Kurs in Gebärdensprache in Zürich an, um herauszufinden, ob ich eine gewisse Begabung hätte im Lernen dieser so reichen Sprache. Die Freude daran wuchs immer mehr, und so brachte ich meine beiden Wünsche vor Gott, nämlich in Zukunft die Gebärdensprache und die spanische Sprache irgendwo auf dieser Welt zu gebrauchen. Ich sagte ihm: «Herr, mach damit, was DU willst». Mir schien dies ehrlich gesagt eine eher verrückte Idee, doch Gott konnte etwas damit anfangen, Halleluja.
Bald darauf hatte ich ein Gespräch mit einem ehemaligen Missionar, der eine gehörlose Frau (Denise Flynn) aus Bolivien kennt. Wir nahmen Kontakt mit ihr auf. Nur wenige Monate später machte ich ein Praktikum in Cochabamba (Bolivien) und lernte die Gehörlosenarbeit von Denise innerhalb der hörenden Gemeinde ‹Cristo salva› (= Christus rettet) kennen. Es war eine spannende Zeit, in welcher mir Gott deutlich zeigte: «Du, Paola gehörst zu den Gehörlosen in Bolivien».
Obwohl ich eine tiefe Freude empfand, wurde mir auch bewusst: Es hat seinen Preis. Ich werde mein Heimatland, meine Familie und Freunde verlassen müssen. Doch dann kam mir die Verheissung in den Sinn: Wenn wir loslassen, wird uns Gott auch wieder neue Freunde, Vater und Mutter, Brüder und Schwestern schenken.
In dieser Zeit lernte ich auch Andreas und Sara Kolb aus Riberalta mit ihren beiden Buben kennen. Nach drei Monaten ging ich zurück in die Schweiz und entschied mich, für eine längere Zeit nach Bolivien zu gehen. Im Februar 1998 reiste ich aus und übernahm die Gehörlosenarbeit von Denise Flynn. Von Anfang an arbeitete ich zusammen mit Alberto (gehörlos). Später kamen noch seine Frau Ruth (gehörlos) und Maria (schwerhörig) dazu.

Ruth, Maria, Alberto, Paola und der Pastor
Wir geben biblischen Unterricht für eine Gruppe von rund zwölf Gehörlosen. Einmal pro Monat führen wir einen Hauskreis durch. Am Sonntag wird der gemeinsame Gottesdienst mit den Hörenden in Gebärdensprache übersetzt. Einmal pro Monat feiern wir die Geburtstage bei Kuchen, Spielen und Singen.
Wir begleiten die Gehörlosen und übersetzen beim Arzt, im Spital, im Reisebüro, bei einer Ausbildung als Konditor, oder helfen bei Arbeitsuche.
Die Gehörlosen sagten mir: «Bitte erzähl in der Schweiz, dass wir so dringend Mitarbeiter brauchen, die uns Gehörlose geistlich und persönlich schulen können». Es gibt auch sehr viel zu tun bei der Seelsorge und der praktischen Hilfe.
Im April 2000 durfte ich die tolle Arbeit von Andreas Kolb in Riberalta, kennen lernen, dabei einen Workshop für Eltern mit gehörlosen Kindern durchführen und gleichzeitg das Ehepaar Thomas und Esther Moser bei ihrer Schnupperwoche begleiten.
Riberalta und Cochabamba liegen sehr weit auseinander. Doch sind Andreas und ich immer wieder in Kontakt oder sehen uns gelegentlich, um auszutauschen. Andreas schickt immer wieder einige seiner Mitarbeiter in die Gebärdensprachkurse und andere Kurse, die ich in Cochabamba organisiere.
Zur Zeit bin ich noch in der Schweiz. Dabei durfte ich unter anderem in der CGG in der Arche Winterthur einen Vortrag halten.
Euch allen, die Ihr dabei wart: ‹Muchas gracias› (= Vielen Dank) für euer Interesse und den grossen Geldbetrag, den Ihr zusammengelegt habt, um die Gehörlosenarbeit in Boliven zu unterstützen. Ihr seid mir eine echte Ermutigung!

Paolas Besuch in der Arche Winterthur
Am 4. Januar 2002 fliege ich wieder zurück nach Bolivien, um für die nächsten drei Jahre in der Gehörlosenarbeit tätig zu sein. Dabei bitte ich Gott, dass Er Euch hier in der Schweiz, sowie uns in Bolivien eine wachsende Leidenschaft für die gehörlosen Menschen gibt, die Jesus noch nich kennen. Dort ist reiche Ernte einzubringen, doch es gibt nicht genügend Arbeiter (nach Matthäus 9:27). Ob Gott gerade Dich dafür vorbereiten will?
Paola Innocente
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- Geschichte der Gehörlosenschule 'Logos' in Riberalta
- Ausblick auf 2005-2006
- Daniel, ein gehörloser Bub
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- Wie lebt Andreas Kolb in der Urwaldstadt Riberalta?